Donnerstag, 28. Mai 2015

bestaunt [Donaumetropolen] ... Architektur in Wien und Budapest um 1900 im Vergleich

Die neue Ausstellung im VIG-Ringturm handelt wie gehabt um Architektur. Dieses Mal war es mir ein besonderes Anliegen hinzuschauen, denn es weckte wunderbare Erinnerungen an einen nicht allzu fernen Urlaub!

Thema der Ausstellung ist ein architektonischer Vergleich zwischen Wien und Budapest um cirka 1900. Die beiden Donaumetropolen haben auf den ersten Blick - abgesehen von einem Fluß durch ihr Zentrum, UND noch dazu den selben - so einiges mehr gemeinsam.


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(Foto: Ausstellung "Donaumetropolen Wien - Budapest. Stadträume der Gründerzeit" im Wiener Ringturm; gesehen auf: einfach-internet.at)


Und doch, in dieser wieder einmal ganz toll kuratierten Ausstellung im Foyer hinten im Ringturm (übrigens immer kostenlos zu besichtigen!) werden auch viele feine Unterschiede erarbeitet!

Die Tatsache, dass das damals blühende Budapest in seinem Zentrum circa den Baustilen des ungleich bedeutenderen und als Sitz der Habsburger-Kaiser auch reicheren Wiens in seinen nobleren Außenbezirken entsprach, ist schon verblüffend. Ähnlichkeiten kann man auch in den Brückenanlagen, den Straßenbahnlinien und in diversen Bauten der Gründerzeit erleben. Nie wirkt es jedoch auf mich in Budapest abgekupfert!

Weiter durch die kubisch angeordnete Ausstellung werden anhand von mehr als 300 Aufnahmen aus dieser Epoche die beiden Städten einander zu den unterschiedlichen Themen (Park, Boulevards, Märkte) systematsich gegenübergestellt.

In kurzen aber prägnanten Erklärungen (übrigens dieses Mal auf Deutsch und auf UNGARISCH, nicht Englisch!) erfährt man welche Überlegungen dahinter standen, die städtebauliche Gestaltung so oder anders vorzunehmen, zum Teil auch wo sich die Gebäude genau befinden bzw. befanden. 

Besonders empfehlenswert für LiebhaberInnen der historischen Fotografie und natürlich von passionierten Budapest-UrlauberInnen und noch bis 5. Juni zu sehen!

Dienstag, 26. Mai 2015

belesen [Staatsfolter] ... in den Uranstollen hinter dem Eisernen Vorhang

Nachdem die Hyde manchmal, also eh oft, bei SciFi-Büchern und -Filmen hängenbleibt, dachte ich - lesn ma do wieda amoi an Östareicha! Josef Haslinger als einer der bekannten zeitgenössischen AutorInnen ist sicherlich jedem ein Begriff, wenigstens sein noch immer berühmtestes Werk "Opernball". Auf einer der letzten Bücherbörsen ist mir nun ein anderes Werk von ihm in die Fingerle geraten.

 
(Foto: der österreichische Autor Josef Haslinger; gesehen auf: www.frodo.at).


Die Geschichte von "Jáchymov" (2011) ist zunächst eine über staatliche Willkür, Verfolgung und Folter. Die zwei Hauptfiguren des Buches, der Verleger, krank an Morbus Bechterew, und die Tänzerin, Tochter eines der Inhaftierten in der Tschechoslowakei, bauen darüberhinaus allerdings auch ein ganz anderes Bild auf - das über die Auswirkungen dieser Mißstände hinter dem Eisernen Vorhang und wie sehr und wie lange sie tatsächlich nachwirken. Fast so ausdauernd wie das Uran im nunmehrigen Heilstollen von Jáchymov, dem alten Sankt Joachimsthal, einer alten Kurstadt am nordwestlichsten Rand des heutigen Tschechiens.


"Es gab eine erste Emigrationswelle von bekannen Persönlichkeiten, darunter waren auch einige Eishockeyspieler. Josef Malacek zum Beispiel. Er ging in die Schweiz und begann eine Trainerkarriere. Danach wurde er Redakteur bei Radio Free Europe. Aber die meisten Spieler entschlossen sich abzuwarten. Noch waren sie die Helden der jungen Tschechoslowakei. Und der kommuinistische Staat der sich unter der Hand herausgebildet hatte, brauchte solche Helden." (aus: "Jáchymov" von Josef Haslinger, Fischer Verlag, 2011, S. 120).


Das bedrückende an dieser Geschichte ist für mich weniger die Schilderungen der Schikanen zu lesen, sondern mehr noch sich vorzustellen, dass an allen Ecken und Enden weltweit ungeachtet des guten Rufs und wie in diesem Fall sogar ungeachtet der Heilwirkungen eines Ortes die Geschichte genau da auch ihr grausames Spiel getrieben haben kann und sehr oft auch wirklich hat. Dass Menschen nie davor gefeit sein können, auch nicht als Volkshelden, Weltmeister oder Olympiasieger nicht vielleicht doch allzu rasch in die grausame Maschinerie eines irren Systems zu kommen.

Bohumil Modry, dem mit diesem Werk ein Denkmal gesetzt wird, will sein Land trotz sich bietender Möglichkeiten nicht verlassen. Zu sehr glaubt er an die neuen Entwicklungen des Staates, und auch ein wenig an seinen Sonderstatus. Aufgrund konstruierter Verdächtigungen zu 15 Jahren Arbeit im damaligen Uranbergwerk von Jáchymov verurteilt. Jahrelang war es dem gefeierten Weltmeister (er war der Torwart der legendären Eishockeymannschaft und als solcher auch international geachtet) kaum erlaubt seine Familie zu sehen. Als er endlich freikommt, viel früher als ursprünglich befürchtet, ist er doch schon lange stark verstrahlt und löst sich vor den besorgten Blicken seiner 2 Töchter und seiner Frau praktisch auf.


Die indirekte Konstruktion eines Buches im Buch, das der Verleger gerne über den Vater der Tänzerin und seine Geschichte schreiben würde, die stete Anonymität der zweiten Hauptfigur der Tänzerin, die nicht einmal namentlich erwähnt wird, wie auch die Schilderung der Zermürbung durch die schwere Krankheit des Verlegers, die ihn ins heutige Jáchymov bringen, sind wahre literarische Glückskniffe, die gut miteinander harmonieren.


"Der Kreml [Anm.: so wurde eine Abteilung in einem Gefängnis von den Insassen unter der Hand genannt] war eine Art Hochsicherheitstrakt für geistig ansteckende Menschen. Dort waren die intellektuelle Vielfalt der alten Gesellschaft als Konzentrat erhalten geblieben. Die Eishockeyspieler trafen auf Generäle, Politiker, Priester, Professoren, Offiziere der östlichen und westlichen Armeen, Fluchthelfer aus Brünn, Lenora und anderen Städten." (aus: "Jáchymov" von Josef Haslinger, Fischer Verlag, 2011, S. 222).


Man merkt nicht nur bei den zum Teil längeren Eishockey-Schilderungen und historischen Statistiken - Haslinger hat dieses Bucht ausgesprochen gut recherchiert und sich doch im Großen und Ganzen sehr getreu an die Aufzeichnungen der tatsächlichen Tänzerin gehalten, die ihren Vater, einen der Superstars des tschechoslowakischen Eishockeys (wer Tschechen und Slowaken kennt weiß, wie sehr diese Sportler noch heute dort verehrt werden!), an die Folgen der langjährigen Folter verloren hat.


Ein ausgesprochen interessantes Buch!

Samstag, 23. Mai 2015

besehen [Schusswechsel] ... dark ops go way sideways

Ich werd's nimma - Sean Penn, das geile Stück, ist auch in bereits fortgeschrittenem Alter noch sauberst durchtrainiert. Bitte schaut's Euch das Surfboard-Foto an, des is doch a Traum, oda?! Da kann sich manch 20-Jähriger ned so leicht dazustellen ... <3

(Foto aus "The Gunman" - Sean Penn in Höchstform, die Häscher werden ihr tödliches Wunder erleben; gesehen auf: www.people.com)


Jaaaha, ist schon gut, also dann zum Film ... ;-)

Mrs. Hyde hat sich augenblicklichst nicht lumpen lassen und sich "The Gunman" im Kino angeschaut. Genau SO stell ich mir einen spannenden Thriller vor! Sehr sehr gut!

Black Ops-Man Jack Terrier (ich weiß, so genial diese Namensgebung, der Penn kann eh so bissig schauen!) arbeitet auf gefährlichem Terrain: Mitten in ausgeprägten Unruhen muss er als Söldner im Kongo für einen geheimen Auftrag einen Minister erschießen. Danach entspannt sich die Lage im Land allerdings keineswegs und Jack muss abtauchen. Dabei lässt er seine Freundin Annie (dargestellt von der eher unbekannten italienischen Schauspielerin Jasmine Trinca) zurück, die für eine NGO dort arbeitet.

8 Jahre später, Jack hat nun die Seite gewechselt und arbeitet nun selbst für den guten Zweck, versucht man ihn plötzlich abzumurksen. Selbstverteidigung sah nie brutaler aus! Juchui! Was jauchzt das Frauli Hyde da kräftig mit!

Blöd nur, Jack weiß nicht WER ihn abzukrageln versucht, denn er weiß gar nicht, wer den letzten Auftrag im Kongo überhaupt erteilt hatte. Also macht er sich auf die Socken und sucht ein paar alte Freunde auf, auch alte Notizen von damals sollen dem Gedächtnis wieder auf die Sprünge helfen und Hinweise diesbezüglich liefern.

(Foto aus "The Gunman" - Hauptfigur Jack Terrier hat einen Söldnerauftrag mit mehr als nur 1 fatalen Folge; gesehen auf: www.thewrap.com)

In Madrid trifft er auf einen von ihnen, Felix (gespielt vom heiß verehrten Javier Bardem), der - oh Schreck! - mit Annie verheiratet ist. Ja klar, weil er hatte ihn ja vor dem Auftrag gebeten, auf Annie aufzupassen, falls mit ihm was sein sollte. Und das sieht so aus ... eh! Das Zusammenkommen passt irgendwie allen Beteiligten wirklich sehr wenig, richtig schlimm wird es aber erst als Jacks Häscher sie finden und die Jagd durch Europa beginnt.

Super spannend bis zum allerletzten Schluss. Toller Penn, kraftvoll-energetisch, vielschichtig, grandios wie eh und je. Dazu eine rasante Story, die aber nie in ein reines Action-Bummbumm-Spektakel ausartet. Die Nebendarsteller können sich auch sehen lassen (unter anderem Idris fucking Elba, oh yeah!!). Was will man mehr?!

Donnerstag, 21. Mai 2015

bestaunt [Bibliothek] ... alte Bücher vom Boden bis zur Decke

Es ist schon ein unglaublicher Schatz, wenn sich Bücher über die Jahrhunderte gut erhalten. So vieles kann mit ihnen passieren: Feuer, Nager, Schimmel, Läuse, Milben, zerbombt, zerfetzt, überkrixelt, angepatzt ... Wie kürzlich eine der Kolleginnen vom Wiener Bücherschmaus, einer neuen Literatur- und Leseinitiative, meinte, Bücher können auch regelrechte Krankheiten haben! Igitt!













 (Foto des Prunksaals der Österreichischen Nationalbibliothek; gesehen auf: www.wien.info)


Umso erstaunlicher, tut man sich in einer der schönsten Bibliotheken der Welt in der Österreichischen Nationalbibliothek im Prunksaal um. Wahnsinn! Was sich da alles erhalten hat! Der Saal ist ein langgezogener Gewölbebau mit einer großen Kuppel in der Mitte, deren Gemälde auch sehr aufschlußreich sind. Gefüllt vom Boden bis zur Decke mit alten und oftmals auch riesigen Bänden ziehen sich Regal um Regal die Wände entlang. Das selbe gilt nochmals für die Galerie, die ebenfalls außer in der Kuppel von Regalen gesäumt ist.

(Blick in die Kuppel des Prunksaals der Österreichischen Nationalbibliothek, die Gemälde zeigen viele wichtige Persönlichkeiten der Österreichischen Monarchie und der Wissenschaften; gesehen auf: www.onb.ac.at)

Abgesehen vom edlen Saal an sich, kann man immer auch Sonderausstellungen zu diversen Spezialthemen sehen. Zuletzt fand die Ausstellung zum 650. Jubiläum der Wiener Universität in den grandiosen Hallen statt. Die räumlichen Möglichkeiten für Ausstellungen sind zugegeben auf meist flache Schaukästen entlang der Regale beschränkt und auch das Design davon kann man nicht beliebig gestalten, damit die Bibliothek nicht verdeckt wird. Und doch, informativ ist es allemal!

Im Sommer ist es drinnen sicher sehr schön kühl. Oder vielleicht an die grauslichen grauen Herbsttage denken und einen Besuch im Prunksaal vormerken, um ein wenig Glanz zurückzuholen! Achtung - der Eingang ist nicht über den Heldenplatz sondern vom Josefsplatz neben der Hofreitschule.

Dienstag, 19. Mai 2015

bestaunt [Fantasten] ... eine wahre Augenweide im KHM

Das muss man gesehen haben! Mit staunendem Blick und offenem Goscherl verfügte sich Mrs. Hyde kürzlich ins Wiener Kunsthistorische Museum und befand die neue Sonderausstellung "Fantastische Welten" über Renaissance-Kunst von Meistern wie Albrecht Altdorfer (ca. 1480-1538), Wolf Huber (1485-1553) und viele andere Vertreter der sogenannten Donauschule (die allerdings deutlich mehr als nur den mitteleuropäischen Donauraum umfasste!) um ca. 1500 bis 1550 für wirklich unglaublich schön!


(Gemälde "Die Anbetung der Könige" von Albrecht Altdorfer; gesehen auf: www.art-magazin.de)



 
 (Gemälde "Erlösungsallegorie" von Wolf Huber; gesehen auf: de.wikipedia.org2165 × 2526)


Ich habe selten zuvor so zarte Kupferstiche, Holzschnitte und Federzeichnungen gesehen, manche auf damals wohl sehr seltenem farbig eingefärbten Papier. Bedenkt man, wie schlecht die Beleuchtung zur damaligen Zeit gewesen sein muss, sind viele der Gemälde wahre Farbexplosionen und echt nicht das, was man sich unter Mittelalter-Renaissance vorstellt.

(Kupferstuich "Das Liebespaar" von Albrecht Aldorfer; gesehen auf: commons.wikimedia.org)


Witzig ist auch, dass viele Werke zwar erhalten blieben und man immer wieder auf einige stößt, die zusammengehören und vermutlich von ein und demselben Künster gemacht wurden, dessen namen ist allerdings gar nicht mehr erruierbar. So tümpeln diese Meister mit Platzhalter-Namen wie "Meister I.P." durch die Jahrhunderte. Das nennt Frau Hyde echt zeitlos!

Obwohl kein Fan der religiösen Malerei und Bildhauerei, war sogar die Hydinger von den zahlreichen Heiligendarstellungen angetan. Einige der gezeigten Altarfragmente sind überaus plastisch und man muss schon sagen modern! Ganz wunderbar!

Das "Fantastische" der Ausstellung zeigt sich in so mancherlei Details, eine Führung ist darum sehr ratsam. So kann einem leicht entgehen, das in manchen Kupferstichen in all den Details und Ästen und Blättern sich auch viele Tiere eingearbeitet finden. Oder, dass im Titelbild der Ausstellung "Auferstehung Christi" Jesus Umhang in eine und die Flagge in eine andere Richtung wehen. Realismus war nicht angesagt, vielleicht auch nicht angebracht, denn es war eine Zeit in der auch statt nur Heilige zu zeigen plötzlich auch der Hintergrund, die Landschaften innerhalb der Gemälde immer wichtiger werden und die echte Landschaft hatte man eh vor der Tür. Vielleicht wollte man einfach mal quasi wie im Urlaub einen Tapetenwechsel?

Besonders ist auch die Änderung der Kreuzdarstellung, die in der Renaissance statt frontal nun mehr seitlich dargestellt wird, manchmal stimmen die Proportionen der Figuren dadurch gar nicht mehr so gut, aber andere kann man dafür überhöhen, verlängern oder dergleichen. Und und und!

Sehr sehenswert!