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Samstag, 14. Mai 2016

besehen [Alte Meister] ... Bernhards alte Streithammel

Ein weiteres aktuelles Stück des Volkstheaters möchte ich alleine schon aus Patriotismus, Textverliebtheit und sowieso nicht unerwähnt lassen. Auch Thomas Bernhards "Alte Meister" wird im Mai und Juni in einer Fassung von Dusan David Parízek wieder gezeigt.

Sprachlich selbstverständlich herausragend (Bernhard halt!) und schauspielerisch schön umgesetzt, hat die Hyde einen vergnüglichen Abend damit verbracht. Letztlich, obwohl man viel zum Lachen hat, was man zunächst mit dem Bernhard ja nicht so in Verbindung bringt, wegen dessen Hasstiraden, was wiederum sehr bernhardtypisch ist, geht man doch traurig nachhause.

(Abb.: der österreichische Autor Thomas Bernhard; (c) www.ottnang.ooe.gv.at)


Ein Mann, Herr Reger, sitzt im Museum, namentlich um ganz exakt zu sein in einem Saal des Kunsthistorischen Museums, und fachsimpelt mit dem Simpel im Eck, den Wärter Irrsigler. Die beiden kennen sich seit Jahrzehnten und sind ein eingeschworenes Team - jeder hat seine Rolle.

Nach und nach redet sich Reger in Rage, Wut auf dieses und jenes kommen hoch, worum geht es jetzt genau?! Die Verhältnisse und Abhängigkeiten zwischen den beiden beginnen sich zu wandeln. Man erfährt mehr über den Mann auf der Bank. Man leidet mit. Und mit Bernhard, der das Stück in Agonie nach dem Tode seiner Lebensgefährtin geschrieben hatte.

Mittwoch, 30. Dezember 2015

beknackt [events] ... Wie zum Geier hast Du das erfahren? Einige (Geldspar-)Tipps für mehr Kultur 2016

Kürzlich wieder die selbe Szene wie schon so oft, quasi ein "Kultur deja-vu"! Da erzählt Hyde äußerst unschuldig, für welches Theaterstück sie eine letzte SUPER-günstige Karte bekommen hat und für eine Freundin brach fast eine Welt zusammen.

Ok, here's the deal! ICH schaue auch nicht den ganzen Tag nach diesen Sachen. Auch wenn es manchmal so wirkt als sei ich immer online, als Hydinger unterwegs in Sachen Kultur. Nö, ganz ehrlich, dieser Blog ist (bislang) wiiiirklich "nur" ein Hobby. Nur, ich weiß nur genau, wo ich nachschauen muss. Gleich ein paar Tipps dazu, siehe unten.

Ins Theater, Ballett oder in die Oper, in Ausstellungen und Museen gehe ich seit Jahren, meist alleine, weil ich nie so schnell rausfinde, wer was anschauen mag und leider auch nicht Zeit und Muse habe, das jedes einzelne Mal von jedem abzufragen. Wer auf andere wartet, weil's - natürlich - zu 2. lustiger ist, man sich nach einem Stück noch bei einem Gläschen Heiss- oder Kaltgetränk darüber unterhalten kann etc., der muss einfach proaktiv sein.



(Abb.: so friedlich das Mäderl, gell! ;-) LOL! gibt es auf dieser Seite als Glückwunschkarte, bin am Überlegen, ob ich die nicht bestellen soll; gesehen auf: www.strangefarmer.com)


Darum hier meine "Wie zum Geier hast Du das erfahren"-Tipps für mehr Kultur im 16er Jahr!

1) Nur ka Stress!
Vorweg: Alles ist super, nichts ist ein Muss. Macht Euch nix draus, wenn Ihr mal was versäumen solltet, was Ihr schon immer sehen wolltet. Es kommt immer Neues, Tolles, Spannendes nach! Versprochen! ;-)

2) Lest! Mehr!
Alles! Zeitungen (ich hts. nur noch online und wirklich eher nebenher am Wochenende), Blogs (außer "Mrs. Hyde" gibt es ja doch schon so einige Kulturgeschichten, Buchblogs, Filmblogs, ... ich stelle mal ein paar vor) und natürlich Facebook-Pages und Twitter-Feeds von Museen, Galerien usw. liken und mitlesen. Das hat mir schon so richtig viele tolle News verschafft! Und spezielle Veranstaltungsseiten wie Falter, events.at, esel.at usw. kann man sehr gezielt und spartenübergreifend suchen. Schließlich gibt's natürlich die Möglichkeit Euch via Newsletter zu versorgen. Ganz ehrlich - meins ist das nicht, weil Facebook oder Twitter einfach aktueller ist und ich ohnehin (wie wohl die meisten) ein übervolles Postfach haben.

3) Spontan ran oder planen!
Spontan ist immer gut, ABER - günstige Tickets sind da meist schon futsch. Vielleicht hilft Euch ein Trick öfter zu guter Unterhaltung zu kommen, wenn Ihr Euch Monatswünsche setzt. Ich sage jetzt bewusst nicht "Ziele", denn wenn Eure Jobs nur annähernd so saisonal fordernd sind wie meiner, dann weiss ich fix, dass man sich das in die Haare schmieren kann. Darum Wünsche. Klingt netter und ist nicht ganz so verpflichtend. Schließlich soll Kultur Spaß machen und nicht eine weitere Verpflichtung sein! Bei mir ist das so, dass ich zumindest 1x/Woche iiiirgendwas Kulturelles (zu kleinem Budget) machen möchte. Und darum schaue ich - meist eher zeitig im Voraus - gelegentlich wann ich Zeit habe und was sich so tut.


4) Vermehret Euch!
Nicht so richtig! Also, FreundInnen sollen auch mal mitkommen ins Theater. So. Wie wäre es mit einem fixem Datum - immer zum Monatsletzten, -ersten, jeden 7. Tag des Monats? Oder ein stehendes Date ausmachen und die Weibsn und Hawara zusammentrommeln. Keine Ahnung, macht, wie es für Euch gut ist! Bei mir hat ein erster Test leider noch nicht den gewünschten Effekt gehabt, aber ich bleib dran. Versuchen schadet nie! Wer in den eigenen Kreisen nicht so richtig fündig wird, kann bei InterNations, Meet-up und Yelp und wie die Freizeit-Plattformen so alle heissen, einfach anklicken und mitgehen. Nachteile, ja, buhu, man muss einen Schritt ins Ungewisse machen und oft wird nur Englisch gesprochen (viele internationale Gruppe), aber Vorteile hier, sehr große Vorteile, man lernt sehr schnell viele NEUE Leute kennen, kommt zu Dingen, die man alleine nicht bekommen hätte, lernt ev. gleich Fremdsprachen mit etc. Das macht echt sehr großen Spaß!

5) Angebote nutzen! Für alle Budgets!
SOOO viele Museen und sonstige Anbieter des kulturellen Schmauses für Hydinger und KonsortInnen bieten Extras wie z. B. open doors, behind the scenes, Vernissagen und/oder Finnisagen, Freundinnen-Tage, Aktionen zu Speziellem wie zu Muttertag, zum Nationalfeiertag etc. You name it! Eines der besten Extras sind wöchtentliche "Aktionen", wenn man so will, wie beispielsweise das MAK in Wien hat: am DI abends kann man gratis rein! Jippie! Außerdem gibt's viele Aktionen, Gutscheine und Freikarten von den Veranstaltern selbst (z. B. über die Snip Cards), ich hab sowas über den Ö1-Club, culturall (weil ich relativ häufig Tickets buchen, die darüber laufen, bekommt man ab und an was geschenkt) über den Arbeitersamariterbund und den Alumni Club der Uni Wien, die mich alle schön mit Kultur versorgen. Weiters zahlt es sich aus Abo-Konditionen genau durchzuschauen und durchzurechnen! Auch so kann man sogar mit kleinem aber clever eingesetztem Budget viel rausholen.

Ich find das Stöbern nach Deals ab und an richtig lustig! Vor allem darf man nicht unterschätzen, so kommt man durchaus auch mal in für einen untypische Veranstaltungen, die sich seeehr oft als richtig fein erweisen und Augen öffnen.

Aktuell hat das Burgtheater übrigens Weihnachts-Aktionen für Last Minute-Tickets! Auch das gesehen auf FB!


 
(Abb.: so süß, ein Weihnachts-Geldferkerl!; gesehen auf: www.themummyblogger.co.uk)


Mrs. Hyde sagt alle Ihren Leserinnen und Lesern ein GROSSES Danke für einen tollen Blogstart 2015! Danke für's Mitverfolgen auf Facebook! Ihr seid super! Ich hab schon sehr viele neue Ideen für 2016, schaun ma mal was das neue Jahr so alles bringt! Jippie!

Schöne Feiertage und guten Rutsch!
Eure Mrs. Hyde

Mittwoch, 3. Juni 2015

belauscht [Lebenskampf] ... boxen bis die Gaskammer ruft

Boxen ist ja sowas von nicht meins! Alle Kampfsportarten find ich genial: Kicks, Schläge, Würfe, Schwerterfuchteln, Stockkampf - super! Nur das Boxen ned. Keine Ahnung wieso, fand ich einfach noch nie gut. Und den Gregor Bloéb nuschelt sonst irgendwie so komisch. Oder er brüllt. Beides find ich patschert und für einen (zumindest zeitweise) Burgschauspieler nicht sooo professionell.

Umso mehr verwundert mich selbst, dass ich mich in die Josefstadt aufgemacht habe. Sogar mit freudiger Spannung im Vorfeld. Ich verrate es gleich vorweg: mit Felix Mitterers Stück "Der Boxer" im Theater in der Josefstadt war ich höchst(!) zufrieden!!! Von vielen Seiten angetragen und wärmstens empfohlen worden, Mrs. Hyde tut es somit auch, ausdrücklich!















(Foto: Gregor Bloéb in "Der Boxer" im Theater in der Josefstadt; gesehen auf: diepresse.com)


Zum einen ist da natürlich die unglaublich schreckliche Geschichte, die so berührt! Ein junger und sehr talentierter Boxer, Johann Rukeli Trollmann (gespielt von Gregor Bloéb), wird mit Machtergreifung der Nationalsozialisten im Deutschland der 30er-Jahre vom gefeierten Star und deutschem Meister plötzlich zum Gejagten. Seine Familie sind sesshafte Sinti, die sehr auf Familienzugehörigkeit und -traditionen Wert legen, ein bescheidenes Leben führen und den erfolgreichen Sohn vergöttern.

Enttäuscht von der Aberkennung des deutschen Meistertitels wegen "undeutschen" Boxstils, versucht sich Rukeli abzuwenden vom Boxsport, ist aber immer mehr gezwungen um sein Leben und das seiner Familie zu kämpfen. Nicht nur die ZuseherInnen können kaum einordnen, wie die Mitcharaktere sind - helfen sie wirklich oder sind sie doch ausgeprägte Nazi-Schergen? Sind sie schlechte Menschen oder einfach nur naiv?

Absolute Höchstspannung, eiskalter Grusel entlang des Rückens und Totenstille herrschten im Kino an zahlreichen Stellen. Die Banalität und oft auch Liebenswürdigkeit des Bösen wird immer und immer wieder mit der stellenweise fast poetischen Sprache Mitterers ins Rampenlicht gestellt, was mich ebenfalls enorm begeistert hat. Mitterer hielt sich vor allem in den Anfängen des Stückes relativ genau an das Leben des realen Boxers, das Lebensende ist für die Bühne adaptiert worden.

(Foto: der echte Boxer Johann Rukeli Trollmann, Bloéb sieht im tatsächlich zum Verwechseln ähnlich; gesehen auf: www.ndr.de)


Bloéb wie auch das restliche Ensemble sind UN-GLAUB-LICH toll! Die boxenden Hauptdarsteller sind sehr gut trainiert und kommen absolut glaubhaft daher. Das Bühnenbild und die Inszenierung ansich reduziert aber sehr clever gemacht. Für die Hyde alle Punkte abgestaubt!


Einziges Manko - die schallend lachenden Bobo-Mädls in den hintersten Rängen, die den Unterschied zwischen Spaß und Ironie nicht ganz übernausert haben und so die Stimmung zu Beginn ein wenig verballhornt haben. Unsensible Grätzen, echt! :( Ihnen ist das Lachen aber durch die schrecklichen Wendungen des Stücks sehr schnell vergangen!! Gut so!

Freitag, 6. März 2015

besehen ... [Theaterstück] Schnitzlers "Professor Bernardi" in der Burg

Das famose Stück Arthur Schnitzlers "Professor Bernardi" wird in der Burg im Frühling kurz wieder aufgenommen. Mrs. Hyde hat es in der letzten Saison gesehen und war schwerstens begeistert, vom Stück, der Aktualität und - von Joachim Meyerhoff!


Nicht nur die elegante Sprache eines Schnitzlers konnten sofort packen, auch die unglaubliche Gruppendynamik, die Professor Bernardi nach dem Tod einer Patientin, angefacht von der Kirche, sofort entgegenschlägt, wird bedrückend echt skizziert.

Die Luft brennt in manchen Szenen förmlich, man kann sich vorzustellen beginnen, unter welchen Schikanen Jüdinnen und Juden im 3. Reich täglich zu kämpfen hatten. Zunächst oft nur so subtil und hinter einer mit freundlichen Maske versteckt begannen KollegInnen mit Verleumdung und Hetze und stachelten sich gegenseitig immer mehr an. Stimmen der Vernunft sucht man in solchen Situationen vergeblich.

Wie praktisch war es doch, so herausragende Kolleginnen und Kollegen auch in den Wissenschaften mundtot zu machen und ihren Karrieren oder ihnen selbst den Todesstoß zu versetzen.


(Foto: Joachim Meyerhoff; gesehen auf: www.tip-berlin.de)


Doch Mrs. Hyde fragt sich - hätten wir uns von der Stimmung damals nicht eventuell auch anstecken lassen? Hätten vielleicht auch nur zum Schein und zum Schutz vor der Gruppe mitgemacht? Rückblickend mit dem Wissen neuer Generationen kann man leicht urteilen darüber was war, hochnäsig kritisieren und doch - besehen wir uns wie nun mit "anderen" jeglicher Art umgegangen wird, findet man bald erschütternde Parallelen zu damals.

Auch zu bedenken und zu diskutieren bleibt natürlich, ob man ohne Bekenntnis oder mit anderem Religionsbekenntnis, sich als Arzt über religiöse Wünsche und Bräuche von jemandem hinweg setzen darf. Wer entscheidet, was für die Patientin/ den Patienten tatsächlich das "Beste" ist? Im Grunde also ist "Professor Bernardi" ein zu tiefst philosophisches Werk!


Abgesehen von diesen hochgeistigen Gründen für eine Empfehlung, stellt die grandiose Leistung eines Joachim Meyerhoff natürlich Mrs. Hyde vor die nahezu einzementierte Pflicht Ihnen dieses Stück ans Herz zu legen! An einem Meyerhoff, kommen Sie nicht vorbei!

Noch 3x von Mitte März bis Anfang April im Burgtheater zu sehen.